Story & Bild im Story-Garten

Jede Woche ein Bild und eine Story

# 3

Schisslaweng - das ist der Wind

 

Schisslaweng, das Wort hatte ich ewig nicht mehr gelesen, aber in meinem letzten Lektorat tauchte es unerwartet auf. Ich mag alte Worte und würde so manches gern vor dem Aussterben bewahren. Spontan setzte ich Schisslaweng auf meine Liste der vom Aussterben bedrohten Worte.  Aber war es  richtig verwendet? Und richtig geschrieben? Der Duden wusste Rat: alles richtig. Nebenformen: Zislaweng, Cislaweng, veraltender Ausdruck für: mit Schwung, mit einem besonderen Kniff, Dreh. Vielleicht berlinisch entstellt vom französischen "ainsi cela vint" = so ging das zu. Ich suche weiter: Möglicherweise ist es auch abgeleitet von "c'est le vent" = das ist der Wind. Das klingt ähnlicher, oder? Alternativ bezeichnet Schisslaweng kleinere Zusätze und Ergänzungen, die es eigentlich nicht braucht, die aber den Eindruck von Schwung und Leichtigkeit erzeugen. Wie auch immer, Schisslaweng meint Schwung und Leichtigkeit. Das ist genau das, was ich jetzt brauche.  Jede Menge Schisslaweng, bitte, sofort!

 

P.S.: Es gibt auch einen Online-Comic von Marvin Clifford mit dem Titel Schisslaweng - vielleicht für die erste, schnelle Portion Schisslaweng.

Sozialpsychologische Notizen: Das Einhorn - wer hat's erfunden?

# 2

Das Einhorn - wer hat's erfunden?

 

Kurz gesagt: Wir. Wir alle haben es erfunden und erhalten es am Leben - seit über 2.000 Jahren. Tatsächlich waren wir laut Überlieferungen schon im dritten und vierten Jahrhundert vor Christus von Einhörnern fasziniert. Erstmalig beschrieben wir sie in Indien und Äthiopien, und zwar als kleine, flinke, ziegenartige, scheue Wesen, die oft in allen Farben schillern und ein großes Horn auf der Stirn tragen. Nachdem dann der Grieche Ktesias Einhörner in seinem Werk über Indien erwähnte, mehrten sich die Berichte über Einhorn-Sichtungen. Das wiederrum führte dazu, dass sich weitere Naturkundler mit dem Phänomen beschäftigten, was zu noch mehr Sichtungen führte. Bis ins 19. Jahrhundert glaubten wir offiziell an die Existenz von Einhörnern. Die letzten wurden um 1840 mit einem Teleskop auf dem Mond gesichtet - inmitten von geflügelten Menschen. Und heute, nun, heute glauben wir inoffiziell weiter an Einhörner.  Es macht halt einfach zu viel Spaß.

 

Buchtipp: Das Einhorn: Geschichte einer Faszination, Bernd Roling, Julia Weitbrecht, Hanser Verlag, 24 Euro, ISBN 978-3-446-27610-9

Sozialpsychologische Notizen: Redewendung "Jemandem aufs Dach steigen"

# 1

Jemandem aufs Dach steigen - woher kommt der Spruch?

 

Die Redewendung kennt wohl jeder, aber wieso sagen wir so etwas, wenn wir jemandem mal so richtig zurechtweisen und unserem Ärger Luft machen wollen? Der Ursprung liegt vermutlich in einem mittelalterlichen Gesetz. Danach war jede und jeder unter seinem eigenem Dach geschützt und unantastbar. Wer nicht unter diesem Dach wohnte, durfte das Haus nicht einfach so betreten. Praktisch, aber auch problematisch, wenn sich jemand schuldig gemacht hatte und in seinem Haus versteckte. Sollte Recht gesprochen werden und die Übelträterin oder der Übeltäter wollten sich nach einer angemessenen Frist nicht stellen, wurde ihnen deshalb das Dach abgedeckt. Das war mit ein paar Leuten relativ schnell erledigt. Ohne schützendem Dach konnten die Beschuldigten dann aus ihrem Haus geholt werden, ohne dass gegen das Gesetz verstoßen wurde. Und die - gesetzestreue - Gemeinschaft konnte im wahrsten Sinn des Wortes ihrem Ärger Luft machen und Recht sprechen - tadeln, anklagen und Strafen auferlegen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.